Zur Zeit schickt mich mein Chef an die unmöglichsten Orte. Heute: Benton Harbor/Lake Michigan. Immer wenn ich in den USA bin, weiss ich nicht, ob ich in Begeisterung oder Depression verfallen soll und muss an Sufjan Stevens denken. Der hat ja über Michigan auch eine Platte gemacht. Einerseits ist hier alles so supertrashig, vor allem die Hotels, und kulinarisch ist hier eh alles verloren. Andererseits gibt es hier Platz für alles und jeden und der Lake Michigan hat an der Silvercoast - so wird dieser Abschnitt hier genannt - sogar geile Sanddünen und ein bisschen Wellengang. Man ertappt sich dabei, dass man irgendwas vermisst und nach einem halben Tag fällts mir auf: der Geruch der salzigen Luft.

Ansonsten frage ich mich den ganzen Tag, wie einer der Typen, mit denen ich hier zusammenarbeite, wohl ohne sein Toupet aussähe. Das Ding ist so dermaßen auffällig, ungefähr wie die Haare von Schaufensterpuppen, dass ich nicht anders kann als ihn den ganzen Tag anzuglotzen. Und wenn ich nicht auf sein Haar starre, dann verschlinge ich mit meinen Augen sein Iphone. Das Ding lässt mich so horny werden, dass ich es am liebsten den ganzen Tag ablecken würde. Und wenn mir die Spucke ausginge, würde ich mir Extra-Spucke ausleihen, um es weiter abzulecken.